Schwimmen lernen

Schwimmen in der Fastenzeit – Wie ich einen Quantensprung gemacht habe

Bist Du schnell!, ruft mir mein Sohn zu, nachdem ich die Wasseroberfläche durchbreche.

Um Zufälle auszuschließen, hole ich tief Luft und verschwinde wieder im Becken der Europa-Therme.

Ich tauche ganz dicht über dem Beckenboden.

Nein. Ich fliege!

Ich spüre den Flossenschlag meines Sohnes, als ich unter ihm tauche und bin noch bevor der Atemreflex einsetzt am anderen Ende wieder aufgetaucht.

Nein. Das war doch gerade kein Zufall.

Diese Leichtigkeit, Mühelosigkeit – jetzt darf ich sie in vollen Zügen erleben.

Und das völlig ohne Vorwarnung.

In diesem Beitrag erfährst Du, wie ich während und nach der Fastenzeit auf das nächste Level des Schwimmens gekommen bin.

Fühle Dich herzlich eingeladen auch Deinen nächsten Schritt im Wasser zu gehen.

Besseres Tauchen, ohne zu MACHEN

Um zu erwachen kannst Du nichts MACHEN. Dein Ego muss sterben. Du musst sterben.

Wie oft ich das gehört habe…

Wenn man aber nichts machen kann, wie soll dieses komische Ego sterben.

Wie kann ich etwas zulassen, was ich – also das Ego – auf gar keinen Fall will?

Ganz ehrlich: Keine Ahnung.

Was in meiner spirituellen Entwicklung nicht vorangeht, ist im Wasser ganz einfach:

Ich kannte bereits das freie Schwimmen von den Rochenkindern.

Ich habe gesehen, wie mühelos sie schwimmen, während ich meine Kräfte mehr oder minder planlos verschwendet habe.

Ich wusste, dass ich mich deutlich verbessern kann.

Aber ich konnte und wollte nichts MACHEN.

Den Weg des natürlichen Schwimmens habe ich mir selbst geschenkt.

Also ohne MACHEN.

Wenn mich jetzt jemand fragen würde, wie ich zu meiner Schwimmqualität im Wasser gekommen bin, würde ich tief Luft holen und meine Geschichte erzählen:

Kein Schulschwimmen.

Mit 14 alleine mit Freundin schwimmen gegangen und im Wasser gespielt: Handstand mit Rückwärtsrollen usw. – keinen Erwachsenen hat es nur annähernd interessiert, was wir im Schwimmbad machen.

Brustschwimmen versucht – vergeblich -, hat sich mies angefühlt.

Schnitt: 20 Jahre später.

Mutter geworden.

Mit dem Kind regelmäßig schwimmen gegangen und einfach Dinge weiter ausprobiert.

Yoga gemacht und gefastet.

Während der Fastenzeit schwimmen gegangen und dann ist es passiert.

Ich habe nichts GEMACHT.

Es war auf einmal da.

Wie ich das Fasten erlebt habe

Fasten war eine Grenzerfahrung.

Mein Kopf wurde klar.

Ich kämpfte mit dem basalsten menschlichen Bedürfnis neben Luft und Wärme: Dem Hunger.

Mein neuer Begleiter hat zwar immer wieder Pausen gemacht, jedoch waren es vier Tage intensiver Auseinandersetzung mit einem Zustand, den ich sonst nur für eine kurze Zeit kannte.

Ich wurde ruhiger und geduldiger.

Es hat sich plötzlich ein Raum für negative Erfahrungen geöffnet, die ich nicht sofort wütend und noch mehr Wut unterdrückend abgeblockt habe.

Fast alles durfte sein.

Wahrscheinlich, weil ich keine Kraft für Wut hatte.

Und dann – am vierten Fastetag – war ich morgens im Yogastudio.

Zufall oder nicht.

Aber an diesem Tag legte mein Yogalehrer ein Programm auf, das wohl eher für männliche Leistungssportler, als eine fastende Frau geeignet war.

Bereits nach 15 Minuten stöhnten alle Yogis – und ich innerlich am lautesten.

Am Nachmittag musste ich mein Versprechen einhalten: Mit meinem Sohn schwimmen gehen.

Völlig enkräftet lies ich mich ins Wasser gleiten und wurde innerhalb von Sekunden hellwach.

Ja. Da war es! Ich flog dicht über dem blauen Beckenboden mühelos wie ein Vogel.

Es war zu perfekt, um wahr zu sein.

Nach einer Stunde setzte ich mich auf die Treppe, beobachtete meinen Sohn beim Spielen und verspürte einfach nur Glück.

Durch Fasten zum optimierten Schwimmen?

War es nur das Fasten, die Kombination aus Yoga, Fasten und Kaffeeverzicht oder war es einfach nur fällig?

Wie ich diese Leichtigkeit und damit Geschwindigkeit gewonnen habe, lässt sich so einfach nicht auf eine einzige Ursache zurückführen.

Vielleicht war es die Erwartungsfreiheit: An solch einem Tag, mit dieser Erschöpfung wird sicherlich nichts Neues, nichts Besonderes passieren.

Schließlich lernt man in der Regel seinen Traumpartner genau an solchen Tagen kennen, die sich so gar nicht nach einer Romanze anfühlen.

Bei mir war es damals in einem ProMarkt 😉

Und Kinder?

Berufskrankheit: Als Gründerin einer Online-Schwimmschule für natürliches Schwimmen kann ich den Artikel, ohne einen Bezug zu unserer Schwimmlernkultur zu machen, nicht beenden.

Wenn wir Kinder im Wasser komplett in Ruhe lassen, nicht alles verbalisieren, sind auch sie in einem Raum, in dem Entwicklung als spontane Selbstoptimierung passieren kann.

Das führt uns direkt zu der Frage nach Gesprächen, die wir mit ihnen über ihre Entwicklung führen, die ihre Entwicklung voranbringen sollen.

Zu den Fotos, die wir von ihnen machen, wenn sie etwas Neues gelernt haben und sie der Familie schicken. Zu dem Lob und den Tipps.

Ich denke, dass unserer Erwartungen an die Kinder und die Gespräche mit ihnen solche genialen Prozesse voller Schönheit und unglaublicher Ergebnisse in der Bewegungsqualität vergiften.

Ich staune immer wieder, mit welcher Arroganz die meisten Lehrer den komplexen Weg zum Schwimmen entgegentreten; Wie sie sich anmaßen zu glauben, dass solch feine innere Prozesse planbar und durch stumpfe Übungen ausgelöst werden können.

Wenn ich vom Schwimmen spreche, dann meine ich nicht das Sich-einigermaßen-über-dem-Wasser-Halten.

Ich spreche von einer Symbiose zwischen jeder Faser unseres Körpers und dem Wasser.

Schwimmen, sich im Wasser zu bewegen, voller Freude einfach zu sein ist eines der schönes Geschenke, die wir unseren Kindern und uns selbst machen können.

Ich möchte mich für dieses Geschenk bei meinem Sohn und allen Rochenkindern vom ganzen Herzen bedanken!

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2 Comments

  • Reply
    Heidi
    10. September 2018 at 20:15

    DANKE, Evelyn für diesen wunderschönen und so berührenden Artikel!
    Ja, ich kann mir ungefähr vorstellen, was du erlebt hast…
    Und ich bin 100%ig bei dir, wenn du schreibst, dass es so wichtig ist ALLES einfach loszulassen. JEDE Erwartung beiseite zu lassen, einfach JEDE!
    Nein, es ist nicht einfach, weil wir es häufig gar nicht anders kennen. Es ist tatsächlich ein Eintauchen in eine andere Welt! Ich kann nur bestätigen: es lohnt sich! Auch über Wasser… 😉
    Ganz liebe Grüße,
    Heidi

    • Reply
      Evelyn Podubrin
      11. September 2018 at 17:47

      Bitte!!! Schön, dass es Dir gefällt und Du es auch spüren kannst.
      Loslassen ist schon nicht einfach, aber es gibt doch ein paar Hilfsmittel. Das Fasten gehört für mich jetzt definitiv dazu.

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