Bewegungsentwicklung Schwimmen lernen

4 Gründe, warum Dein Kind nicht schwimmt

Am letzten Samstag habe ich die Rochenkinder gefilmt, die ich bereits vor 1,5 Jahren vor der Linse hatte.

Die Rochenkinder ist eine berliner Schwimmschule für natürliches Schwimmenlernen.

Nach solch einem Tag voller Szenen von Kindern, die natürlich schwimmen lernen, wäre ein neuer Artikel über neue Tipps fällig.

Doch die wichtigsten NoGos und gröbsten ToDos sind bereits gesagt: Hier für das Babyschwimmen und hier für das Kinderschwimmen.

Alle Details, alle Feinheiten, der komplette Weg vom Babyschwimmen zum Delfintauchen sind in meiner  Online-Schwimmschule verfügbar.

In diesem Artikel verrate ich Dir, warum manche Kinder nicht oder nur zögerlich schwimmen – trotz der Entscheidung ihrer Eltern für das natürliche Schwimmen.

Grund #1: Du willst Unterrichtsergebnisse ohne Unterricht

Du hast die Bilder von den Rochenkindern gesehen oder hast freie Bewegungsentwicklung an Land erlebt und willst nun, dass Dein Kind auch wie ein Delfin schwimmt.

Du willst, dass es mit Freude ins Wasser springt, dass es taucht und dass es irgendwann im Wasser nicht mehr an Dir ‚klammert‘.

Doch Dein Kind tut nichts davon.

Es tut nicht das, was Du willst.

Der Grund ist ganz einfach: Du begreifst die Zeit im Wasser als Unterricht. Du hast in Deinem Kopf Lernziele formuliert und erwartest, dass Dein Kind klar erkennbar fotografierbare Ziele in kulturell genormter Zeit erreicht.

Frei und natürlich beutet, dass das Schwimmen von alleine kommt.

Du willst aber Ergebnisse, die übliche Schwimmschulen lehren und prüfen ohne, dass Dein Kind unterrichtet wird.

Frei oder geführt und zielorientiert – aber nicht von jedem ein bisschen.

Du willst, dass Dein Kind messbare Ergebnisse zeigt, ohne übliche Methoden des Schwimmens.

Du formulierst Ziele und lässt Dein Kind dann im Regen stehen.

Doch natürliches Schwimmen funktioniert so nicht.

Kinder, die natürlich schwimmen lernen springen, tauchen, gleiten usw. irgendwann.

Und zwar alle!

Aber die Erwachsenen, die sie begleiten stellen keinerlei Erwartungen an Fähigkeiten, die sie zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichen müssen.

Sie erfreuen sich zwar über neue Fähigkeiten, aber der Spaß und die Freude im Wasser sind der einzige Messpunkt: Das Wassersetting verändern, verlassen oder erstmal beobachten.

Du hast zwei Möglichkeiten:

Entweder Du schickst Deine Ziele ins Nirvana, gehst mit Deinem Kind regelmäßig ins Wasser und lässt es spielen oder Du bleibst bei Deinen Zielen und schickst Dein Kind in einen Schwimmkurs.

Grund #2: Du bist innerlich zerrissen

Du hast Dich zwar für freie Entwicklung im Wasser entschieden, aber wenn Du ganz ehrlich bist, bist Du Dir unsicher, ob das wirklich funktioniert.

Schließlich machen es doch alle andern auch nicht so.

Du siehst, wie andere Kinder fröhlich durch das Becken in Schwimmhilfen schaukeln.

Du siehst, wie andere Kinder springen oder tauchen.

Und Deins?

Entweder hängt es an Dir und will auf den Arm oder es spielt am Rand mit Schüsselchen.

Was hat das bitteschön mit Schwimmen lernen zu tun? Er soll lieber ins Wasser und üben.

Super! Das soll natürliches Schwimmen sein?

Womöglich fragen Dich andere Mütter oder Schwiegereltern, warum Du Deinem Kind nicht einfach die Schwimmflügel anziehst. Du siehst es doch: Es hat den anderen Kindern offensichtlich nicht geschadet und die Ergebnisse lassen sich sehen.

Insgeheim überlegst Du, ob Du Dein Kind doch in einen klassischen Schwimmkurs steckst.

Dann ist das Thema vom Tisch. Du könntest aufatmen.

Ich verrate Dir, warum Dein Kind noch nicht schwimmt:

Erstens: Dir fehlt es an absoluter Klarheit und Vertrauen!

Zweitens: Wenn du Dein Kind mit anderen Kindern an den üblichen Messpunkten vergleichst, steht es um Dein Selbstbewusstsein wahrscheinlich nicht besonders gut.

Es gibt einen Grund, warum Du Dich für freie Entwicklung entschieden hast.

Fühle ihn.

Notiere ihn.

Hast Du vielleicht als Kind äußerst schlechte Erfahrungen mit Schwimmlehrern gemacht?

Wehrt sich Dein Kind den Schwimmkurs oder das Schulschwimmen fortzusetzen?

Gewinne für Dich eine absolute Klarheit darüber, was Du eigentlich willst:

Ein vorzeigbares Kind oder Dein Kind mit unendlichen Vertrauen zu beschenken.

Ein Objekt von Erwartungen und Ergebnissen oder ein Subjekt.

Erst diese Klarheit wird Dich stark machen.

Du wirst Dich nicht mehr durch Fähigkeiten von anderen Kindern verunsichern lassen.

Dein Selbstbewusstsein wird wachsen und ehrlichgesagt sollte es auch.

Denn wie soll Dein Kind selbstbewusst werden, wenn Du Dich so leicht verunsichern lässt?

Grund #3: Ihr seid euch nicht einig

Du willst die freie Entwicklung, Dein Mann will Ergebnisse – oder umgekehrt.

Du tust alles dafür, dass Dein Kind den Raum bekommt, um sich auszuprobieren, um einfach zu spielen.

Monate, Jahre vergehen und die Geduld Deines Partners ist am Ende.

Schluss, aus: Das Kind soll endlich schwimmen.

Eltern müssen sich nicht immer einig sein, aber die grundlegende Richtung sollte stimmen: Frei oder geführt, aber nicht beides gleichzeitig.

Wenn ihr nicht an einem Strang zieht, wächst die Verunsicherung Deines Kindes.

Wir als Eltern sind in den ersten Lebensjahren der entscheidende Kompass für unsere Kinder.

Dreht sich die Kompassnadel mal nach Norden, mal in den Süden, wissen die Kinder nicht, in welche Richtung sie laufen sollen.

In dieser Zerrissenheit ziehen sich manche Kinder zurück.

Sie suchen in der Körpernähe, Aggressivität oder später im hemmungslosen Medienkonsum nach Orientierung oder Ablenkung.

Was nun?

Ich rate Dir in dieser Situation mit Deinem Partner ins Gespräch zu gehen und den Grund für die ausbleibende oder langsame Entwicklung an Land oder im Wasser nicht bei dem Kind oder der freien Entwicklung zu suchen.

Schaut auf Euch selbst.

Grund #4: Du bist nie zufrieden

Kaum läuft das Kind seine ersten Schrittchen, freuen wir uns zwar, aber die Freude verpufft schnell und schon erwarten wir den nächsten Schritt.

Kaum macht das Kind seine ersten Schwimmzüge, wollen wir, dass es auch endlich taucht oder springt.

Diese kurzfristige Freude, das kurze Aufatmen, dass endlich etwas erreicht und die baldige Unzufriedenheit kennst Du vielleicht beim Kauf einer größeren Sache: Wenn ich doch endlich das Auto habe, dann ist alles gut.

Kaum ist das Auto da, haben wir uns daran gewöhnt und wollen wieder mehr.

Wir sind immer unzufrieden.

Kaum einer hat diesen endlosen Prozess der Unzufriedenheit, des Immer-Mehr-Wollens besser beschrieben als Eckhart Tolle.

Die meisten Menschen tragen in sich eine Unzufriedenheit, ein Gefühl, nicht angekommen zu sein. Sie sind nie im gegenwärtigen Moment, sondern im Stress, in der Zukunft, sie sagen sich: Dieses und jenes will und muss ich noch erreichen, und dann wird alles gut. Aber dieser Moment kommt nie. Wie bei mir: Ich hatte mein Examen mit Eins abgeschlossen. Für eine Woche hatte ich dann keine Angst mehr, aber die Angst zu versagen, kam zurück und war stärker als zuvor.1)https://www.eckharttolle.de/media/interviews/interview-vom-8-mai-2004-17

Eckhart Tolle sieht die Ursache für die Unzufriedenheit im Verlust des Lebens im gegenwärtigen Augenblick.

Wenn Du Dich mit dem Ego und der Rückkehr zum Jetzt noch nicht beschäftigt hast, reicht es am Anfang die Ungeduld vor dem Erreichen Deines Kindes einer Fähigkeit und dem schnellen Abfall der Freude zu erneuter Unzufriedenheit wahrzunehmen.

Es reicht, sich bewusst zu werden, dass Du Deinem Kind die Botschaft sendest, dass es niemals gut genug ist.

Das, was wir selbst erlebt haben, geben wir an unsere Kinder weiter.

Im zweiten Schritt kannst Du auf Deine eigene Kindheit zurückblicken: In welchem Feld bist Du selbst aufgewachsen?

Vertrauen oder Mangel?

Dein Weg der freien Entwicklung

Freie Entwicklung hat viele Vorteile: Man spart viel Geld für Kurse oder Nachhilfe und hat viel Zeit für wahre Freude an den Kindern. An den Kleinigkeiten, an dem, womit sie sich beschäftigen.

Die Kinder erleben einen authentischen, leistungsfreien Raum.

Das pure Sein, nach dem sich so viele Erwachsene sehnen.

Das Leben mit freier Entwicklung wird plötzlich so leicht. Ich liebe es!

Wenn Du vor hast, den Weg der freien Entwicklung zu gehen und es nicht funktioniert, dann schaue zuerst auf die obigen Gründe.

Wenn Du es mit der freien Entwicklung ernst meinst, dann lade ich Dich ein, unserer Schwimmschule beizutreten.

Anja hat dort ihr gesamtes Wissen aus über vierzig Jahren Arbeit mit Kindern hinterlegt.

References   [ + ]

1. https://www.eckharttolle.de/media/interviews/interview-vom-8-mai-2004-17

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